Schnell zum jeweiligen Inhalt:

Was ist das Bauchhirn?

Der Magen-Darm-Trakt eines Menschen beinhaltet über 100 Millionen Nervenzellen.1 Das sind deutlich mehr Neuronen, als sich im Rückenmark befinden. Der Aufbau des Bauchhirns gleicht strukturell unserem Gehirn im Kopf, weswegen es seinen Namen durchaus verdient. Beide Systeme bestehen aus den gleichen Zelltypen und nutzen für die Kommunikation dieselben Botenstoffe wie beispielsweise Dopamin.

Die Hauptaufgabe von Magen und Darm ist es, die Verdauung und Nahrungsverwertung zu steuern. Sie regulieren beispielsweise die regelmäßige Darmentleerung sowie das Sättigungsgefühl. Darüber hinaus sendet der Magen-Darm-Bereich aber auch Signale an das Hirn. Auch dies ist ein Grund dafür, dass Experten vom Bauchhirn sprechen.

Icon Glühbirne Tipp YamatoGast
Schon gewusst

Ist vom Bauchhirn die Rede, geht es um alle Nervenzellen des Verdauungstraktes, die diesen wie ein Geflecht durchziehen. Dieses eigenständige Nervensystem umfasst derart viele Zellen und Funktionen (auch über die Verwertung der Nahrung hinaus), dass es Experten an unser Gehirn erinnert. In einer Gegenüberstellung wird das Gehirn dementsprechend als „Kopfhirn“ bezeichnet.

Magen, Darm und Psyche gehen Hand in Hand

Warum beeinflussen sich Magen, Darm und Psyche überhaupt gegenseitig? Gerät eine Person in Stress, wie etwa Zeitdruck, muss das Gehirn im Kopf auf Hochtouren arbeiten. Dem Körper wird eine Notsituation signalisiert, da das Kopfhirn nun mehr Energie benötigt. Um diesen erhöhten Energiebedarf auszugleichen, fährt das Bauchhirn die Darmfunktion auf ein Minimum herunter. Dadurch spart der Körper bei der Verdauung, der Produktion von Schleim und der Durchblutung Energie. Handelt es sich bei der Stresssituation um einen begrenzten Zeitraum, funktioniert dieser Vorgang in der Regel ohne Probleme.2 Dauert der Stress jedoch länger an, meldet sich der Magen-Darm-Trakt häufig mit Symptomen:3

Erleben Menschen Stress, belastet das die Psyche – häufig klagen sie als Folge auch über ein flaues Gefühl im Magen.

Was genau ist Stress überhaupt?

Stress ist eine Reaktion des Körpers, um physische oder psychische Herausforderungen zu meistern. Obwohl die Auslöser in der heutigen Zeit andere sind, reagiert der Körper wie schon zu Urzeiten in Gefahrensituationen. Früher waren Faktoren wie Hunger und Kälte Hauptauslöser für Stress, heute sind es in den meisten Fällen psychosoziale Aspekte, wie Leistungsdruck oder Umweltfaktoren, zum Beispiel ständiger Lärm oder Schlafmangel. Ist der Körper einer Stresssituation längere Zeit ausgesetzt, macht sich Erschöpfung breit. Anstatt sich nach der Arbeit mit Bekannten zu treffen oder sich körperlich zu betätigen, um einen Ausgleich zu schaffen, bevorzugen viele Menschen die Couch. Die soziale Abschottung und das Erschöpfungsgefühl kombiniert mit Bewegungsmangel beeinflussen sowohl die Psyche als auch die körperliche Gesundheit.

Forscher vermuten außerdem, dass Psyche und somit auch Stress Einfluss darauf haben, welche Störenfriede im Magen-Darm-Trakt überleben. Insbesondere in stressigen Zeiten kann ein vermehrtes Überleben schädlicher Bakterien die Darmflora negativ beeinflussen und zusätzlich Symptome hervorrufen.4

Geht es um unseren Magen-Darm-Trakt, darf unsere Psyche also nicht außer Acht gelassen werden. Sie ist eng mit dem Bauchhirn verwoben, da die beiden Nervensysteme stetig miteinander kommunizieren. Versuchen Sie es bei leichtem Stress doch mal mit Entspannungsübungen. Auch stressbedingte Magenbeschwerden können durch bestimmte Techniken und Hausmittel gelindert werden.

 

Noch nie vom Zusammenhang zwischen Psyche, Stress und Darm oder dem Bauchhirn gehört?

Dass diese Erkenntnis nicht neu ist, zeigt unser alltäglicher Sprachgebrauch. Nicht ohne Grund haben Menschen bei Angst die Hosen voll, bei Stress klagen sie über einen nervösen Magen, wenn sie verliebt sind, fliegen die Schmetterlinge im Bauch und manche Aussagen stoßen sauer auf oder schlagen uns auf den Magen

Hania, Luczak: »Neurologie: Wie der Bauch den Kopf bestimmt.« In: Geo Magazin (2000) Nr. 11. S.137-146.

Enders, Giulia: Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ. Berlin: Ullstein 2014. S. 141-142.

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: Psyche & Verdauungssystem. URL: https://www.internisten-im-netz.de/fachgebiete/psyche-koerper/psyche-verdauungssystem.html (29.10.2019).

Enders, Giulia: Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ. Berlin: Ullstein 2014. S. 142.